Im November 2009 wurde die E-Learning-Weiterbildung «Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung» gestartet. Im April dieses Jahres endete das Fachseminar und wurde anschliessend intern eingehend evaluiert. Hier finden Sie die wichtigsten Ergebnisse dieser Evaluation.
Von Catherine Corbaz, Bereichsleiterin Bildung, AGILE
Die Evaluation wurde mit Fragebögen durchgeführt, die den TeilnehmerInnen während der Weiterbildung punktuell ausgehändigt worden waren, zudem mit einem abschliessenden umfangreichen Fragebogen und Gesprächen mit den Unterrichtenden, der Projektleiterin und der Zentralsekretärin von AGILE.
Die Weiterbildung zielte darauf ab, grundlegende Kenntnisse über das politische System und die gesellschaftliche Situation behinderter Menschen zu vermitteln, die kommunikativen Fähigkeiten zu stärken und die Teilnehmenden zu ermutigen, eigene Projekte zu entwickeln und umzusetzen. Weiter sollten Selbstbestimmung und Empowerment gefördert werden.
Die folgenden Zahlen zeigen den Erfolg der Weiterbildung auf individueller Ebene:
Eines der Ziele von AGILE war auch, den Nachwuchs intern und bei den Mitgliedern zu fördern. Das Ergebnis hier ist eher negativ. Drei bis vier Teilnehmende haben sich in die Aktivitäten von AGILE eingebracht (beispielsweise Präsidentenkonferenz), zwei schreiben regelmässig für unsere Zeitschrift.
Den Teilnehmenden und Unterrichtenden fiel vor allem auf, dass jeder vom anderen lernen konnte. Es wurden Hindernisse überwunden, und trotz des Arbeitens aus Distanz entstand ein Gefühl der Zugehörigkeit. Zu den wichtigsten Resultaten gehört, dass im Laufe der Weiterbildung ein besseres Verständnis der eigenen Behinderung und für andere Behinderungen gewachsen ist. Die zunehmende gegenseitige Unterstützung wurde sehr geschätzt. In manchen Momenten lernten die Teilnehmenden in den Diskussionsforen auf der Internet-Plattform sogar mehr als mittels der eigentlichen Kursinhalte. Sie chatteten auch mit ExpertInnen; dieser «Live»-Kontakt wurde sehr positiv beurteilt.
Diese Weiterbildung ermöglichte eine bessere Sensibilisierung und Kenntnis der einzelnen Behinderungen, eine Stärkung des Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens sowie eine grundlegende Verbesserung der Kenntnisse der Behindertenorganisationen, der Kommunikationsinstrumente sowie der Herausforderungen der Gleichstellung und der Konzepte des autonomen Lebens.
Dieses Bewusstwerden der Unterschiedlichkeit und gemeinsamer Empfindungen trotz der unterschiedlichen Behinderung ist grundlegend. Denn nur mit diesem In-Worte-fassen, diesem Austausch und dem gegenseitigen Zuhören kann unter Menschen mit Behinderung und durchaus auch mit anderen Gruppen der Zivilgesellschaft Solidarität und Kooperation entstehen.
Die E-Learning-Weiterbildung mit nur zwei Präsenzveranstaltungen hat die Vorteile des Fernunterrichts aufgezeigt. Die Teilnehmenden konnten ihre Lernzeit auf ihre persönlichen Bedürfnisse und auf ihre Behinderung abstimmen. Die meisten von ihnen mussten aus gesundheitlichen Gründen eine mehr oder weniger lange Zeit pausieren und konnten nach der Wiederaufnahme der Weiterbildung die verpassten Module nachholen und die Diskussionen nachlesen, ohne spezifische Anpassungen oder Ergänzungen anzufordern. In herkömmlichen Weiterbildungskursen fehlt diese Flexibilität meistens.
Obwohl eine politische Sensibilisierung im weitesten Sinne (Politik, Partei, auf Ebene der Gemeinde, des Wohnorts etc.) stattgefunden hat, hat diese nicht unbedingt zu einem breiteren Engagement geführt. Die Teilnehmenden haben verstanden – was auch als Erfolg zu werten ist -, dass ein politisches Engagement nicht so einfach ist, wie man meint. Sie sind sich der Komplexität des demokratischen Systems und der Welt der Behindertenorganisationen bewusst geworden. Dies ist bereits ein grosser Schritt. Andererseits kann sich die Behinderung auch auf die Flexibilität und Verfügbarkeit auswirken und ein Engagement in Vereinen und/oder in der Politik einschränken.
An seiner Oktober-Sitzung 2011 hat der Vorstand von AGILE beschlossen zu prüfen, eine ähnliche Weiterbildung in der Romandie anzubieten. Für ein weiteres Angebot in der Deutschschweiz ist es noch zu früh, da AGILE das Thema vertiefen und sich eine Verknüpfung mit dem Thema Nachwuchs überlegen möchte – ein Thema, das auch für unsere Mitglieder wichtig ist.
Übersetzung: Susanne Alpiger
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