Eine repräsentative Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW im Auftrag von AGILE zeigt: Die meisten Hochschulen in der Schweiz sind nicht hindernisfrei zugänglich für Studierende mit Behinderung.
Die Bestandesaufnahme der ZHAW zeigt, dass beim Begriff Behinderung vielfach in erster Linie an Mobilitätsbehinderung gedacht wird. Und sie zeigt, dass nicht explizit auch Menschen mit Behinderung gemeint sind, wenn in Hochschulen von Gleichstellung die Rede ist. Der Zugang zu Hoch- und Fachhochschulen für Menschen mit Behinderungen ist jedoch unerlässlich, um deren gesellschaftliche Teilhabe zu garantieren.
Wie zugänglich sind die Schweizer Hochschulen für Studierende mit Behinderung? Eine repräsentative Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW zeigt: Die Zugänglichkeit steckt noch in den Kinderschuhen.
Die meisten Hochschulen stehen bezüglich Hindernisfreiheit noch ganz am Anfang: So hat ein Grossteil der befragten Hochschulen keine Ansprechperson für Studierende mit Behinderung. Und falls eine solche Ansprechperson vorhanden ist, wird sie gegen aussen oft schlecht kommuniziert. Unterschiedlich gut ist oft auch die bauliche Zugänglichkeit der Gebäude. Nur die wenigsten Hochschulen verfügen über umfassende Informationen wie Lagepläne mit eingezeichneten Liften, Treppen, Toiletten, Parkplätzen u.a.
Immerhin gewähren die meisten Hochschulen Studierenden mit Behinderung Nachteilsausgleiche im Curriculum beziehungsweise in Prüfungen. Aber nur an einzelnen sind Nachteilausgleiche soweit akzeptiert, dass diese einmalig für das ganze Studium beantragt werden können.
Die Bestandesaufnahme der ZHAW zeigt, dass beim Begriff Behinderung vielfach in erster Linie an Mobilitätsbehinderung gedacht wird. Und sie zeigt, dass nicht explizit auch Menschen mit Behinderung gemeint sind, wenn in Hochschulen von Gleichstellung die Rede ist. Der Zugang zu Hoch- und Fachhochschulen für Menschen mit Behinderungen ist jedoch unerlässlich, um deren gesellschaftliche Teilhabe zu garantieren.
Für die AutorInnen der Studie, Sylvie Kobi (ZHAW, Departement Soziale Arbeit) und Kurt Pärli (ZHAW, School of Management and Law), besteht bei den Hochschulen Handlungsbedarf: Sie empfehlen diesen unter anderem Ansprechpersonen und -stellen für Studierende mit Behinderung zu definieren und den Austausch unter den Hochschulen auszubauen. Weiter sollen die Hochschulen ein Behinderungsarten übergreifendes Verständnis fördern.
Die «Bestandesaufnahme hindernisfreie Hochschule» der ZHAW ist der erste Teil des vom Gleichstellungsrat Egalité Handicap initiierten und von AGILE getragenen Projekts «Zugang zu Hochschulen für Menschen mit Behinderung in der Schweiz; aktuelle Situation und Perspektiven». Gut vier Fünftel der heimischen Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen konnten in die repräsentative Befragung einbezogen werden. Das Projekt wird vom eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung (EBGB) finanziell unterstützt. Es zielt darauf ab, eine Publikation mit konkreten Empfehlungen und best practices zu erarbeiten.
AGILE Behinderten-Selbsthilfe Schweiz setzt sich seit 1951 für die Existenzsicherung und Integration von Menschen mit Behinderung ein. Der Dachverband vertritt die Interessen von über 40 Behinderten-Organisationen. Diese repräsentieren Menschen aller Behinderungsgruppen und ihre Angehörigen.
Kontakt:
Eva Aeschimann, Bereichsleiterin Öffentlichkeitsarbeit
AGILE Behinderten-Selbsthilfe Schweiz,
Effingerstrasse 55, 3008 Bern,
Tel. 031 390
39 39, Mobile: 079 633 82 66
eva.aeschimann@agile.ch
Link zur Bestandesaufnahme hindernisfreie Hochschulen (929 KB)
AGILE – Medienmitteilung vom 4. Januar 2011
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