Wohnungsmarkt benachteiligt Menschen mit Behinderungen systematisch
Strukturelle Barrieren bleiben oft unsichtbar
Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt betrifft verschiedene Bevölkerungsgruppen. Für eine wirksame Politik braucht es eine solide Grundlage, um Benachteiligungen sichtbar zu machen und gezielt anzugehen. Heute fehlen jedoch umfassende und vergleichbare Analysen, die das Ausmass und die Mechanismen dieser Diskriminierung abbilden.
Für Menschen mit Behinderungen zeigt sich das Problem besonders deutlich: Der Inklusionsindex 2023 weist auf erhebliche Einschränkungen bei der Wohnungssuche hin – insbesondere aufgrund fehlender Barrierefreiheit, mangelnder Verfügbarkeit geeigneter Wohnungen und finanzieller Hürden. Diese strukturellen Benachteiligungen werden im bestehenden rechtlichen Rahmen kaum erfasst und bleiben politisch weitgehend unsichtbar, obwohl sie die Wohnwahl und Selbstbestimmung stark einschränken.
Wohnen ist ein Menschenrecht – keine Frage des Zufalls
Für Agile ist Wohnen mehr als eine Marktfrage. Es geht um ein grundlegendes Recht: Menschen mit Behinderungen müssen selbst entscheiden können, wo und wie sie leben. Fehlender Zugang zu geeignetem Wohnraum führt jedoch dazu, dass diese Wahlfreiheit eingeschränkt bleibt.
Die aktuellen Barrieren auf dem Wohnungsmarkt stehen damit im direkten Widerspruch zum Ziel eines selbstbestimmten Lebens und zur Umsetzung der UNO-Behindertenrechtskonvention. Mehr zum Thema Selbstbestimmt wohnen
«Dass Menschen mit Behinderungen oft keine Wohnung finden, ist kein Einzelfall, sondern ein systematisches Versagen der Rahmenbedingungen. Der Bund muss hier hinschauen und handeln: Solange der Wohnungsmarkt strukturell ausschliesst, bleibt selbstbestimmtes Wohnen für viele ein leeres Versprechen.»
Saphir Ben Dakon, Vizepräsidentin Agile
Klare Grundlage für wirksame Massnahmen schaffen
Das Postulat Friedl schafft die notwendige Grundlage, um Diskriminierung differenziert zu erfassen und gezielt zu bekämpfen. Es verlangt:
- eine systematische Analyse der Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt;
- die Bewertung der bestehenden rechtlichen Grundlagen;
- die Prüfung zusätzlicher Massnahmen (bis hin zu einem Antidiskriminierungsgesetz)
- sowie Strategien, Empfehlungen und ein Monitoring zur Förderung fairer Wohnungsvergabe.
Diese Instrumente sind zentral, um strukturelle Barrieren sichtbar zu machen und wirksam abzubauen.
Menschen mit Behinderungen müssen einbezogen werden
Damit die vorgeschlagenen Massnahmen Wirkung entfalten, ist für Agile entscheidend: Die Situation von Menschen mit Behinderungen muss explizit berücksichtigt werden. Nur so können die tatsächlichen Hürden erkannt und gezielt angegangen werden.
Agile empfiehlt Annahme des Postulats
Agile empfiehlt die Annahme des Postulats. Es ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Politik, die auf klaren Grundlagen basiert, Diskriminierung sichtbar macht und abbaut – und damit die Voraussetzungen für selbstbestimmtes Wohnen stärkt.
Kontakt
Alizée Rey, Verantwortliche Interessenvertretung und Networking / 031 390 39 33 / 078 736 70 32 / alizee.rey@agile.ch
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