Ableismus bei Menschen mit Behinderungen – Vorurteile und Barrieren sichtbar machen

Ableismus ist ein komplexes System von Vorurteilen und Diskriminierung gegenüber Menschen mit Behinderungen. Er zeigt sich in Sprache, Verhalten und Strukturen. Agile macht Ableismus sichtbar und kämpft dafür, normiertes Denken zu durchbrechen – für Gleichwertigkeit und Teilhabe.

Was ist Ableismus?

Ableismus beschreibt das unvollständige Bild, das nicht behinderte Menschen von Menschen mit Behinderungen haben. Ableismus wirkt vielfältig und komplex – nicht nur durch offene Abwertung, sondern auch durch «wohlwollende» Haltungen, die Menschen als hilfsbedürftig markieren. Dieses Denken zeigt sich im Alltag und prägt Strukturen, die auf «fähige, normale» Menschen ausgerichtet sind.

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Standpunkt

Raphaël de Riedmatten

«Ableismus ist wahrscheinlich eines der grössten Hindernisse auf dem Weg zu einer wirklich inklusiven Gesellschaft.»

Ableismus in Sprache und Verhalten

Sprache ist mächtig: Begriffe und Redewendungen können diskriminieren. Auch Blicke, Gesten und ungebetene Hilfe sind Ausdruck von Ableismus. Solche Muster müssen erkannt und verändert werden.

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So erkennen Sie Ableismus

Ableismus passiert in alltäglichen Situationen: in der Sprache, bei der Arbeit, in der Freizeit, im öffentlichen Verkehr, im Gesundheitswesen. Ableismus zeigt sich darin, dass Menschen aufgrund ihrer Behinderung nicht gleich behandelt werden wie nicht behinderte Menschen. Menschen mit Behinderungen werden häufig nicht ernst genommen, ihr Wissen in Frage gestellt, ihre Bedürfnisse und Wünsche übergangen.

Wer Ableismus im eigenen Handeln besser erkennen will, stellt sich diese Fragen Quelle: Aktion Mensch

  • Spreche ich mit meinem Gegenüber respektvoll und auf Augenhöhe?
  • Behandle ich mein Gegenüber aufgrund ihrer*seiner Behinderung abwertend/schlecht/unfair?
  • Behandle ich mein Gegenüber aufgrund ihrer*seiner Behinderung mitleidig?
  • Spreche ich eine Person mit Behinderung direkt an oder kommuniziere ich nur über Begleitpersonen?
  • Ziehe ich Schlüsse über die Gefühlswelt meines Gegenübers, ohne die Person selbst nach ihrem Befinden gefragt zu haben?
  • Spreche ich Ungleichbehandlungen (Abwertungen und Aufwertungen) von Menschen mit Behinderungen an, wenn ich entsprechende Situationen mitbekomme?
  • Kläre ich mein Umfeld über den Ausdruck Ableismus und seine Bedeutung auf?

Ableismus zeigt sich auch darin, dass nicht behinderte Menschen gegenüber Menschen mit Behinderungen eine besonders wohlwollende Haltung zeigen.

Internalisierter Ableismus

Internalisierter Ableismus entsteht, wenn Menschen mit Behinderungen die Vorurteile und Diskriminierungen, die sie erleben, verinnerlichen und ihre Fähigkeiten oder ihre Rechte selbst in Frage zu stellen. 

Beispiele für internalisierten Ableismus

  • «Ich übernehme häufig Verantwortung für mich respektive für meine Behinderung, die ich eigentlich gar nicht übernehmen müsste. Ein Beispiel: Der Flug hat Verspätung, weil die Verantwortlichen es versäumt haben, mich früh genug einsteigen zu lassen. Das Flugzeug verpasst sein Startfenster und muss wieder hinten anstehen. Wegen dieser Verspätung verpassen einige Mitreisende in Zürich den letzten Zug nach Hause. In solchen Fällen fühle ich mich schuldig, obwohl ich objektiv gesehen gar nichts damit zu tun habe.» Simone Leuenberger
  • «Ich habe lange nicht um eine Rampe für den Bus gebeten, obwohl ich damit einfacher einsteigen kann. Und ich entschuldige mich jedes Mal bei der Person, die mir beim Ein- oder Aussteigen hilft. Das Problem liegt aber in den noch nicht hindernisfreien Zügen, die mir das Ein- und Aussteigen erschweren.» Raphaël de Riedmatten

Podcast zum Reinhören

Judyta Smykowski, Jonas Karpa und Raúl Krauthausen in ihrem Podcast «Die Neue Norm» über Internalisierter Ableismus: Wenn Menschen Diskriminierung verinnerlichen

So können Sie sich gegen Ableismus wehren

  • Broschüre Ableismus erkennen und begegnen
    In der Broschüre der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V. – ISL wird das Konzept des Ableismus erklärt. Erfahrungsberichte von Menschen mit Behinderungen verdeutlichen die Mechanismen und zeigen Reaktionsmöglichkeiten auf. Verschiedene Strategien werden bekannt gemacht, mit denen man Ableismus begegnen und sich wehren kann. 
  • #AbleismTellsMe
    Menschen mit Behinderungen twittern über ihre Diskriminierungserfahrungen

Tipps gegen sprachlichen Ableismus

  • Leitfaden für eine inklusive Sprache
    Wie sagt man’s richtig. Unser Leitfaden für eine respektvolle Sprache, die Menschen mit Behinderungen nicht diskriminiert und entwertet.
  • Schreiben zum Thema Behinderung – Tipps für Medienschaffende
    Tipps zum Schreiben von und über Menschen mit Behinderungen vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen

Die wichtigsten Begriffe für eine respektvolle Sprache

Out
In
Invalide*r
Mensch mit Behinderungen, falls möglich mit Behinderungsart, z.B. Menschen mit Körperbehinderungen, mit Sehbehinderung etc.
invalid
behindert
Invalididität
Behinderung
Invaliden-WC
WC für Menschen mit Behinderungen
Invalidenparkplatz
Parkplatz für Menschen mit Behinderungen

Begründung

Der Begriff «invalid» und seine Ableitungen müssen aus der Alltagssprache verschwinden. «invalid» bedeutet «unwert», «wertlos», «ungültig», «schwach». Der Begriff aus dem Lateinischen bezeichnete ab dem 18. Jahrhundert Menschen, die einen Krieg mit einer bleibenden Verletzung oder Behinderung überlebt haben. Mit der Verwendung des negativ besetzten Begriffs «invalid» reduzieren Sie eine Person auf ihre Behinderung und machen sie zum Objekt. Die Person selbst wird zur Nebensache.

Out
In
IV-Fall
Versicherte*r, Rentenbeziehende*r, Leistungsberechtigte*r

Begründung

Der Begriff ist unpersönlich und abwertend. Er besetzt Personen mit Behinderungen negativ. Menschen, die berechtigt sind, eine Leistung der Invalidenversicherung zu beanspruchen, sind keine Objekte. Sie bleiben als Personen Subjekte.

Out
In
Behinderte*r, Krüppel*in, Mensch mit Handicap, Mensch mit besonderen Bedürfnissen, Andersbegabte*r
Mensch mit Behinderungen, falls möglich mit Behinderungsart, z.B. Menschen mit Körperbehinderungen, Sehbehinderungen etc.

Begründung

  • Die Substantivierung «Behinderte*r» reduziert den Menschen auf die Behinderung. Sie vermittelt das Bild einer Spezial- oder Untergruppe innerhalb der Gesellschaft, die sich von Menschen ohne Behinderungen deutlich abgrenzt.
  • Der Ausdruck «Krüppel*in» bezeichnet ursprünglich einen in seiner Bewegungsfähigkeit physiologisch dauerhaft behinderten Menschen. Auch jemand, dem von Geburt an oder durch äussere Einwirkungen Gliedmassen fehlten, wurde als verkrüppelt bezeichnet. Heute gilt Krüppel*in als Schimpfwort, das nicht nur eine körperliche oder kognitive Behinderung feststellt, sondern einem missliebigen Menschen als Beleidigung eine solche Behinderung zuspricht.
  • Im deutschsprachigen Raum wird «Handicap» praktisch synonym mit «Behinderung» gebraucht. Der englische Begriff wird von vielen als beleidigend empfunden, weil er als Bild an cap-in-the-hand, also an Betteln, erinnert. Der tatsächliche Hintergrund von hand-in-cap ist aber ein anderer. Der Begriff geht auf ein altes englisches Spiel zurück, bei dem das eingesetzte Geld in einen Hut oder eine Kappe gelegt wird. Handicap wurde früher in England auch bei Pferderennen verwendet. Ein überlegenes Pferd erhielt vom Schiedsrichter zusätzliches Gewicht (Handicap) aufgelegt, um seinen Vorteil auszugleichen. So gesehen entspricht Handicap einer künstlichen Benachteiligung. Später wandelte sich die Bedeutung von Handicap in eine grundsätzliche Benachteiligung.
    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Begriff für die International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) aufgegeben und den Begriff «Disability» (jetzt: Behinderung) als Oberbegriff für alle drei Aspekte (Körper, Individuum und Gesellschaft) eingeführt.
  • Die Formulierung «Mensch mit besonderen Bedürfnissen» soll eine positive Bewertung einer Andersartigkeit widerspiegeln – ist aber beliebig und ohne Aussagekraft. Sie trifft auch auf viele andere Gruppen zu: alte, kranke, arbeitslose, drogenabhängige Menschen, Kinder, Menschen mit Migrationshintergrund usw. Genau genommen gilt diese Formulierung für alle Menschen. Alle haben besondere Bedürfnisse. Menschen mit Behinderungen sind kein besonderer Menschenschlag. Ihre Wünsche und Bedürfnisse unterscheiden sich von Person zu Person – wie bei Menschen ohne Behinderungen auch.
  • Andersbegabte*r: Jeder einzelne Mensch hat andere oder unterschiedliche Fähigkeiten oder Begabungen. Auch bei Menschen mit Behinderungen unterscheiden sich Fähigkeiten und Begabungen von Person zu Person – wie bei Menschen ohne Behinderungen auch.
Out
In
von einer Behinderung betroffen sein, an einer Behinderung leiden, ein schweres Los tragen, ein trauriges Schicksal haben, trotz Behinderung das Leben meistern
leben mit Behinderungen, eine Behinderung haben

Begründung

  • Die Formulierung «von einer Behinderung betroffen sein» impliziert Ohnmacht und eine schwierige Situation. Sie definiert den Menschen mit Behinderungen als dem Schicksal ausgeliefert und schliesst Selbstbestimmung aus.
  • Die Begriffe «an einer Behinderung leiden, ein schweres Los tragen, ein trauriges Schicksal haben» implizieren eine schwierige, schmerzvolle Situation und definieren Menschen mit Behinderungen auf einer rein emotionalen Ebene.
  • Trotz Behinderung das Leben meistern: Wer mit einer Behinderung lebt, ist nicht automatisch ein*e Held*in
Out
In
von Autismus betroffen, an Autismus leiden, Person mit Autismus-Spektrum-Störung (ASS)
Autistische Person, Autist*in, Person im Autismus-Spektrum

Begründung

  • Autistische Person: Identitätsorientiert (Identity-First Language). In neurodiversitätsorientierten und aktivistischen Kontexten häufig bevorzugt. Viele Autist*innen verstehen Autismus als Teil ihrer Identität und ihres Körpers.
    → Beispiel: «Eine autistische Person berichtet…»
  • Autist*in: Ebenfalls Identity-First Language und in der Selbstvertretung sehr verbreitet. Der Begriff wird oft gewählt, um Autismus als Bestandteil der eigenen Identität auszudrücken.
    Viele Autist*innen sagen über sich: «Ich bin Autist*in», nicht «Ich bin eine Person mit Autismus».
    → Beispiel: «Als Autist*in erlebt man…»
  • Person im Autismus-Spektrum: Person-First Language. Betont die Vielfalt des Spektrums, ohne medizinische Hierarchien oder Zuschreibungen zu reproduzieren.
    → Beispiel: «Eine Person im Autismus-Spektrum nahm teil…»
Out
In
Mensch mit Beeinträchtigungen
Verwenden Sie «Beeinträchtigung», wenn Sie eine spezielle Funktionsbeeinträchtigung beschreiben, z.B. Personen mit visuellen Beeinträchtigungen, mit motorischen Beeinträchtigungen.

Begründung

Eine «Beeinträchtigung» ist eine Funktionseinschränkung aus medizinischer Sicht. Häufig ziehen ältere Menschen den Begriff «Beeinträchtigung» dem Begriff «Behinderung» vor.

Out
In
behindert ≠ krank
behindert ≠ a(b)normal

Begründung

  • Mit Behinderungen zu leben, bedeutet nicht automatisch, krank zu sein. Behinderung ist kein Synonym für Krankheit. Krankheiten sind im guten Falle heilbar, im schlechten Falle tödlich. Behinderung hingegen ist in der Regel etwas Dauerhaftes; sie muss aber auch nicht zwingend ein ständiges Leiden verursachen.
  • Was als «normal» gilt, ist immer relativ. Wo genau das «Normale» anfängt und wo es aufhört, dazu gibt es viele Meinungen. Die Kategorien «normal / a(b)normal» sind deshalb ungeeignet, um Menschen mit und ohne Behinderungen zu beschreiben.
Out
In
behindertengerecht
hindernisfrei

Begründung

Der Begriff «behindertengerecht» verleitet dazu, nur an Massnahmen für Menschen mit Behinderungen zu denken. Er unterschlägt, dass Hindernisfreiheit – wie der niveaugleiche Einstieg in ein Verkehrsmittel – allen zugutekommt.

Out
In
Taubstumme*r
Mensch mit Hörbehinderung, mit Hörbeeinträchtigung, mit auditiver Beeinträchtigung, mit Schwerhörigkeit, mit Gehörlosigkeit

Begründung

Viele gehörlose Menschen können sehr wohl sprechen, aber nicht hören. Sie sind also nicht sprachlos, können aber die Lautsprache nur eingeschränkt nutzen. Häufig kommunizieren sie mit Gebärden- und/oder Lautsprache und mittels modernen Technologien wie Internet, E-Mail, SMS usw. Taub ist dagegen die Beschreibung eines Zustands von Gefühllosigkeit: Finger sind vor Kälte taub. Das Wort «taub» kommt aus dem Mittelhochdeutschen und Althochdeutschen. «toup, toub» bedeutet «stumpfsinnig, verwirrt, empfindungslos, betäubt, doof».

Out
In
Zeichensprache
Gebärdensprache

Begründung

Es gibt Menschen mit Hörbehinderung, die in der Gebärdensprache kommunizieren. Die Gebärdensprache ist viel komplexer als eine simple Zeichensprache. Sie verbindet Gestik, Mimik, lautloses Sprechen und Körperhaltung. Wer gebärdet, spricht eine manuell produzierte und visuell wahrnehmbare Sprache.

Out
In
Geistesschwache*r, geistig Zurückgebliebene*r, geistig Behinderte*r, Debile*r, Schwachsinnige*r
Mensch mit Lernbehinderung, mit intellektueller Behinderung, mit kognitiver Behinderung

Begründung

Diese Ausdrücke sind nicht mehr zeitgemäss. Menschen mit Lernbehinderungen verfügen sehr wohl über Geist.

Out
In
Mongoloide*r
Mensch mit Down-Syndrom, mit Trisomie 21

Begründung

Verwenden Sie für spezifische Behinderungsformen die richtigen Fachbegriffe. Das Down-Syndrom ist benannt nach Dr. John Down. Er hat Ende des 19. Jahrhunderts als erster die Behinderungsform Trisomie 21 aus medizinwissenschaftlicher Perspektive beschrieben. Die Bezeichnung Mongolismus geht auf den Vergleich von Personen mit Trisomie 21 mit den Bewohnern der Mongolei zurück (ähnliche Gesichtszüge) und ist diskriminierend und rassistisch zugleich.

Out
In
Geisteskranke*r, Irre*r, Schwachsinnige*r, Wahnsinnige*r
Mensch mit einer psychischen Erkrankung Falls möglich, spezifizieren Sie: Mensch mit einer Depression, einer Schizophrenie, einer Angsterkrankung etc.

Begründung

Diese Ausdrücke sind nicht mehr zeitgemäss und wirken beleidigend.

Out
In
sein Leben in absoluter Dunkelheit verbringen
sehbehindert sein, blind sein

Begründung

Visuelle Beeinträchtigungen sind sehr unterschiedlich. Blindheit ist nicht immer gleichzusetzen mit vollständiger Dunkelheit und Schwärze. Fragen Sie die Person mit einer visuellen Beeinträchtigung, wie und was sie wahrnimmt, bevor Sie voreilige Schlüsse ziehen.

Out
In
an den Rollstuhl gefesselt sein
den Rollstuhl benutzen, Rollstuhl fahren

Begründung

Dieses Bild ist falsch. Niemand wird tatsächlich an einen Rollstuhl gefesselt. Das impliziert Assoziationen an Strafe oder Folter und rückt die Schwäche der Person in den Mittelpunkt. Der Rollstuhl ist ein Hilfsmittel, das aktive Teilnahme am öffentlichen Leben ermöglicht.

Out
In
in einem gelähmten Körper gefangen sein
körperbehindert sein, Rollstuhlfahrer*in sein

Begründung

Diese Redewendung spricht Menschen mit einer Körperbehinderung Selbstbestimmung und Eigeninitiative ab.

Out
In
Liliputaner*in, Zwerg*in
kleinwüchsiger Mensch
Riese/Riesin
grosswüchsiger Mensch

Begründung

Menschen, die unterdurchschnittlich klein oder überdurchschnittlich gross sind, werden leider immer noch als Riesen oder Zwerginnen bezeichnet. Riesinnen und Zwerge gibt es aber nur im Märchen. Und Liliputaner*innen sind Fabelwesen aus der Erzählung «Gullivers Reisen» von Jonathan Swift.

Out
In
Spastiker*in
Mensch mit sensomotorischen Störungen, mit einer Cerebralparese

Begründung

In seiner Kurzform «Spasti» wird dieses Wort im Slang als Schimpfwort gebraucht.

Out
In
Wasserkopf
Mensch mit Hydrocephalus

Begründung

Dieses Wort gehört ebenfalls in die Kategorie Schimpfwörter.

Out
In
Heiminsasse/-insassin
Heimbewohner*in, Mensch, der in einem Heim lebt

Begründung

Dieser Ausdruck ruft das Bild einer Person hervor, die in einer Institution sitzt oder eingesperrt ist.

Out
In
Patient*in, Klient*in
Mensch mit …behinderung

Begründung

  • Der Begriff «Patient*in» widerspiegelt nur die medizinische Sichtweise. Menschen mit Behinderungen sind nur dann Patientinnen und Patienten, wenn sie in medizinischer Behandlung sind. Eine Behinderung macht einen Menschen nicht zwingend zum Dauerpatienten oder zur Dauerpatientin.
  • «Klient*in» ist sehr unpersönlich. Er distanziert und reduziert Menschen mit Behinderungen auf eine rein geschäftsmässige Beziehung und vernachlässigt alles andere.
Out
In
Pflegefall
pflegebedürftige Person, Mensch, der Pflege benötigt

Begründung

Der Begriff ist sehr unpersönlich und abwertend. Die Person wird als «Fall» zum Objekt. Wer Pflege benötigt, will kein Pflegefall sein. Auch wer Pflege benötigt, bleibt Subjekt.

Out
In
Resozialisierung in die Arbeitswelt
berufliche Integration, Vorbereitung auf den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben, auf die Teilnahme am Erwerbsleben

Begründung

Menschen mit Behinderungen, die erstmalig auf das Erwerbsleben vorbereitet werden oder in der Arbeitswelt wieder Fuss fassen, sind keine unerprobten Personen, die erst auf den gesellschaftlichen Umgang vorbereitet werden müssten.

Strukturelle Barrieren

Unsere Gesellschaft ist auf «fähige» Menschen ausgerichtet – von Institutionen über Arbeitswelt bis Freizeit. Diese Norm schafft Barrieren und schränkt Teilhabe ein. Agile fordert: Gleichwertigkeit und Gleichbehandlung müssen selbstverständlich werden.

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Wie erkennen Sie Ableismus bei sich und anderen?

Ableismus beginnt oft im Kleinen: Wird Wissen von Menschen mit Behinderungen ernst genommen? Werden Wünsche respektiert? Wird Hilfe ungefragt aufgedrängt? Bewusstes Hinschauen ist der erste Schritt.

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Standpunkt

Malick Reinhard

«Ableismus ist eine Art mentale Behinderung der Nichtbehinderten.»

Was Agile unternimmt

Agile macht Ableismus sichtbar – in Sprache, Verhalten und Strukturen. Wir setzen uns für Bewusstseinsarbeit und politische Veränderungen ein, damit Diskriminierung abgebaut wird und Teilhabe Realität wird.

Helfen Sie uns, Ableismus zu bekämpfen. Bei sich und bei anderen.

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Leiden Sie an Ableismus?

Ja

Teilen Sie ihre Erlebnisse und werden Sie Teil der Veränderung.

Nein

Dabei ist Ableismus doch überall

Ihre Rolle – Gemeinsam gegen Ableismus

Jede*r kann beitragen: reflektieren, sichtbar machen, Sprache ändern und Alltagsbarrieren ansprechen. Ableismus beginnt oft im Kleinen – und dort kann er auch beendet werden.

Zentrale Punkte

Die Gesellschaft schafft Behinderungen – durch Strukturen und Normen, die ausschliessen.

Diskriminierungen sind vielfältig – von offenen Abwertungen bis zu «wohlwollender» Bevormundung.

Blicke und Worte diskriminieren – Sprache prägt, was und wen wir als «normal» sehen.

Ableismus kann verinnerlicht werden – auch Betroffene übernehmen ableistische Muster.

Wir fordern

Ableismus in der Sprache, im Verhalten, im Alltag muss konsequent benannt und sichtbar werden.

Menschen mit und ohne Behinderungen erkennen und reflektieren ableistisches Verhalten und Normdenken bei sich und bei anderen.

Die Gleichwertigkeit, Gleichbehandlung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen muss selbstverständlich werden.

Unsere Projekte

Inklusionsinitiative

Für die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen

Ableismus im Alltag

Menschen mit Behinderungen über ihre Erfahrungen mit Ableismus und wie sie damit umgehen.

Ihre Spende hilft, Ableismus sichtbar zu machen

Ableismus beginnt oft im Kleinen – und genau dort wollen wir ansetzen. Mit Ihrer Unterstützung können wir weiter aufklären, Vorurteile benennen und für eine Gesellschaft ohne Diskriminierung kämpfen. Gemeinsam schaffen wir Bewusstsein – danke für Ihre Hilfe!

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