Echte Partizipation – Lücken und wirksame Ansatzpunkte

Echte Partizipation gelingt nur, wenn Menschen mit Behinderungen von Anfang an wirksam einbezogen werden. Dieser Beitrag zeigt die zentralen Lücken in heutigen Beteiligungsprozessen – und praxisnahe Ansatzpunkte, wie Verwaltungen, Politik und Organisationen Beteiligung inklusiv und wirksam gestalten können.

Inhalt

Typische Lücken und Hindernisse – und was es braucht

Die folgende Übersicht stellt häufige Herausforderungen partizipativer Prozesse den entsprechenden Ansatzpunkten gegenüber. Sie unterstützt Fachpersonen, Verwaltungen, Organisationen und politische Akteur*innen dabei, Prozesse inklusiver und wirksamer zu gestalten.

Grundlagen echter Partizipation

Was wir unter echter Partizipation verstehen – Grundlagen und Begriffe.

Zeitpunkt, Einfluss und Wirkung der Beteiligung

Typische Lücken und Hindernisse

  • Beteiligung kommt zu spät – oft erst, wenn Entscheidungen weitgehend gefallen sind.
  • Mitreden ohne Wirkung («Alibi-Partizipation») führt zu Frustration und Demotivation.

Was es braucht (Ansatzpunkte)

  • Frühzeitige Einbindung: Einbezug ab Problemdefinition und Zielklärung.
  • Klare Mitentscheidungsräume: Entscheidungsspielräume von Beginn an definieren.
  • Verbindlichkeit und Rückmeldung: klar kommunizieren, wie Inputs berücksichtigt werden; transparente Begründung bei Abweichungen.

Transparenz, Rollen und Prozessgestaltung

Typische Lücken und Hindernisse

  • Unklare Bedingungen erschweren Mitwirkung auf Augenhöhe.
  • Menschen mit Behinderungen werden auf die Rolle «Selbstvertreter*in» reduziert, obwohl viele fachliche Expertise einbringen.
  • Individuelle Stimmen werden als kollektive politische Vertretung gelesen.

Was es braucht (Ansatzpunkte)

  • Transparente Prozesse: Rollen, Entscheidungswege, Aufwand und Entschädigung vor Prozessbeginn klären.
  • Rollen klären und respektieren: Menschen mit Behinderungen nicht auf eine Rolle reduzieren.
  • Kollektive Selbstvertretung stärken: Organisationen von Menschen mit Behinderungen gezielt einbeziehen.

Hindernisfreiheit, Assistenz und Unterstützung

Typische Lücken und Hindernisse

  • Anlässe, Dokumente oder digitale Formate sind nicht hindernisfrei.
  • Assistenz, Hilfsmittel oder Begleitung fehlen oder sind unzureichend finanziert.

Was es braucht (Ansatzpunkte)

  • Hindernisfreiheit gewährleisten: barrierefreie Räume, digitale Zugänglichkeit, einfache Sprache, Gebärdensprache, barrierefreie Dokumente.
  • Assistenz und Hilfsmittel sichern: verlässliche Finanzierung und klare Zuständigkeiten.

Rechte und Ressourcen

Typische Lücken und Hindernisse

  • Politisches Engagement kann Sozialversicherungsansprüche gefährden.
  • Politische Rechte sind eingeschränkt.

Was es braucht (Ansatzpunkte)

  • Existenzsicherung garantieren: Engagement darf keine Nachteile für Versicherungsleistungen bringen; gesicherter Wiedereinstieg nach Mandaten.
  • Politische Rechte für alle: keine Ausschlüsse; zugängliche Informationen und Verfahren.

Zugang, Selbstvertretung und Sichtbarkeit

Typische Lücken und Hindernisse

  • Erschwerter Zugang zu Selbst- und Interessenvertretung.
  • Unterrepräsentation in Medien und Forschung.
  • Forschung findet oft über statt mit Menschen mit Behinderungen statt.

Was es braucht (Ansatzpunkte)

  • Individuelle Selbstvertretung stärken: Kompetenzen fördern – z. B. Kommunikation, Rechte, Verhandlung; unterstützte Entscheidungsfindung ermöglichen.
  • Sichtbarkeit erhöhen: mehr Fachpersonen mit Behinderungen in Medien und Forschung.
  • Inklusive Forschung: Betroffene als Expert*innen aktiv einbeziehen.

Leitfragen für inklusive Partizipation

Damit Beteiligungsprozesse nicht nur gut gemeint, sondern gut gemacht sind, unterstützen gezielte Leitfragen die Planung, Umsetzung und Evaluation. Hier gehts zum den ergänzenden «Leitfragen für inklusive und wirksame Partizipation».

Weiterführende Inhalte

  • Welche politischen Veränderungen es braucht: Unsere Forderungen zur Partizipation
  • Zur Übersicht: «Partizipation von Menschen mit Behinderungen – Nichts ohne uns.»
  • Praxisleitfaden für inklusive Beteiligungsprozesse: Der EBGB‑Leitfaden «Einbezug der Perspektiven von Menschen mit Behinderungen in Vorhaben der Bundesverwaltung» bietet konkrete Hilfestellungen für Projektleitende: von der frühzeitigen Planung über geeignete Beteiligungsformate bis hin zu Fragen der Barrierefreiheit, Assistenz und Entschädigung. 
  • Praxisnah umsetzen: Die Online-Plattform «Die Box» von insieme Schweiz unterstützt Projektleitende dabei, Projekte gemeinsam mit Menschen mit kognitiver Behinderung partizipativ zu planen – mit konkreten Tools, Checklisten und Vorlagen.

Mehr zum Thema Partizipation

  • Fachwissen

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