Partizipation von Menschen mit Behinderungen – Nichts ohne uns.

Menschen mit Behinderungen haben das Recht, voll und gleichberechtigt in allen gesellschaftlichen Bereichen mitzuwirken und mitzubestimmen. Agile setzt sich dafür ein, dass dieses Recht nicht nur auf dem Papier besteht, sondern praktisch umgesetzt wird – in Politik, Bildung, Arbeit, Forschung, Medien und Öffentlichkeit.

Warum Partizipation unverzichtbar ist

Menschen mit Behinderungen haben – wie alle anderen Bürger*innen – das Recht auf Selbstbestimmung und gesellschaftliche Mitgestaltung. Dieses Recht ist in der UNO‑Behindertenrechtskonvention (UNO‑BRK) verankert und gilt in allen Bereichen, in denen Gesellschaft gestaltet wird: Politik, Bildung, Arbeit, Forschung, Medien und Öffentlichkeit.

Rund 1,9 Millionen Menschen mit Behinderungen leben in der Schweiz. Gerade dort, wo es um ihre eigenen Lebensrealitäten geht, ist ihre Mitwirkung unverzichtbar. Agile fordert deshalb: Nichts ohne uns.

Was echte Partizipation bedeutet

Partizipation ist mehr als «dabei sein». Sie umfasst Mitgestaltung, Mitbestimmung und tatsächlichen Einfluss. Agile zeigt auf, wie sich Teilnahme, Teilhabe, Inklusion und Selbstvertretung unterscheiden – und warum eine Einladung ohne Entscheidungsmacht keine echte Beteiligung ist und kaum zu guten, tragfähigen Entscheidungen führt.

Was echte Partizipation ist − Grundlagen zu Teilnahme, Teilhabe und Mitbestimmung:
zum Beitrag «Was ist Partizipation? Begriffe, Unterschiede, Bedeutung»

Warum echte Partizipation wirkt

Partizipation ist nicht nur ein Grundrecht – sie verbessert auch die Qualität politischer und gesellschaftlicher Entscheidungen. Echte Partizipation…

  • stärkt die Legitimation politischer Entscheide und das Vertrauen in staatliche Institutionen;
  • baut Vorurteile ab und fördert Solidarität sowie sozialen Zusammenhalt;
  • führt zu wirksameren und passgenauen Massnahmen, weil Erfahrungen und Bedürfnisse frühzeitig einbezogen werden.

Standpunkt - 

Stephan Hüsler

«Partizipation darf nicht länger ein Versprechen sein. Sie muss Realität werden – heute.»

Echte Partizipation ermöglichen

Typische Hürden – und Ansatzpunkte für Planung, Umsetzung und Reflexion

In der Schweiz gibt es erste gesetzliche und programmatische Ansätze zur Stärkung der Partizipation von Menschen mit Behinderungen. In der Praxis zeigt sich jedoch weiterhin ein deutliches Defizit: Menschen mit Behinderungen sind in politischen, gesellschaftlichen und fachlichen Entscheidungsprozessen nach wie vor unterrepräsentiert – oder ihre Beteiligung bleibt ohne spürbare Wirkung.

Die folgende Übersicht benennt zentrale Hürden, die echte und wirksame Partizipation verhindern. Sie macht typische Muster sichtbar, die partizipative Prozesse schwächen oder unterlaufen. Gleichzeitig schafft sie eine gemeinsame Grundlage für die kritische Reflexion bestehender Verfahren und für die Weiterentwicklung partizipativer Praxis.

Typische Hürden für echte Partizipation

  • Zu späte Einbindung: Beteiligung erfolgt erst, wenn zentrale Entscheide schon gefallen sind.
  • Alibi-Partizipation: Mitreden ohne echte Mitbestimmung oder wirksame Berücksichtigung der eingebrachten Perspektiven.
  • Unklare Rahmenbedingungen: Rollen, Ziele, Zuständigkeiten, zeitlicher Aufwand und Barrierefreiheit sind nicht ausreichend definiert.
  • Unterrepräsentation in den Medien: Fehlende Sichtbarkeit von Fachpersonen mit Behinderungen; stereotype oder vereinfachende Darstellungen.
  • Forschung ohne Betroffene: Studien und Projekte zu Behinderung werden ohne systematischen Einbezug von Expert*innen in eigener Sache durchgeführt.
  • Verwechslung von individueller und kollektiver Selbstvertretung: Einzelne Stimmen ersetzen keine politisch organisierten Selbstvertretungsstrukturen.
  • Hürden beim Zugang zur Selbstvertretung: Fehlende Rechte, Ressourcen, Unterstützung oder Assistenz erschweren eine wirksame Beteiligung.
  • Unpassende Zuschreibung: Nicht jede Person mit Behinderung möchte oder kann als «Selbstvertreter*in» auftreten.

Die aufgeführten Punkte werden im weiterführenden Beitrag vertieft und bilden zugleich die Grundlage für Leitfragen, die bei der Planung, Umsetzung und Auswertung partizipativer Prozesse unterstützen.

Echte Partizipation wirksam machen – Lücken erkennen und Ansatzpunkte nutzen:
zum Beitrag «Echte Partizipation – Lücken und wirksame Ansatzpunkte»

Ergänzend finden Sie Leitfragen, die Sie dabei unterstützen, partizipative Prozesse von der Planung über die Umsetzung bis zur Reflexion kritisch zu prüfen und weiterzuentwickeln.

Was Agile fordert

Partizipation ist ein Menschenrecht – aber noch keine Realität. Damit Menschen mit Behinderungen wirklich mitbestimmen können, braucht es klare politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Agile fordert konkrete Massnahmen, damit der Grundsatz Nichts ohne uns. endlich umgesetzt wird.

Unsere politischen Forderungen zur Partizipation im Detail:
zum Beitrag «Unsere Forderungen: Partizipation wirksam machen»

Mitbestimmen statt nur dabei sein

Wer betroffen ist, weiss am besten, was es braucht. Darum kämpfen wir für echte Partizipation von Menschen mit Behinderungen. Helfen Sie mit!

Zentrale Punkte

Partizipation ist ein Menschenrecht

Verankert in der UNO‑BRK

Echte Beteiligung bedeutet Mitbestimmung

Nicht nur anhören, sondern Einfluss auf Entscheidungen

Nichts ohne uns.

Entscheidungen über Menschen mit Behinderungen nur mit ihnen

Früher und verbindlicher Einbezug

Beteiligung von Anfang an – nicht erst am Schluss

Selbstvertretung ist zentral

Politisch organisierte Selbstvertretung stärken und absichern

Partizipation verbessert Entscheidungen

Wirksamer, gerechter und näher an den Lebensrealitäten

Wir fordern

Die UNO-BRK verpflichtet Bund, Kantone und Gemeinden, Hindernisse abzubauen und Zugänglichkeit sicherzustellen.

Assistenz und Hilfsmittel müssen ausreichend finanziert und zugänglich gemacht werden.

Alle Menschen mit Behinderungen müssen Zugang zu Wahlen und Abstimmungen haben – selbstbestimmt und barrierefrei.

Kompetenzen in Kommunikation, Recht und Verhandlung müssen gezielt gefördert werden.

Menschen mit Behinderungen müssen bei staatlichen Programmen, Strategien und Entscheidungen, die sie betreffen, frühzeitig, verbindlich und wirksam einbezogen werden.

Es braucht mehr Fachpersonen mit Behinderungen in Medien und Forschung.

Unsere Projekte

Mentoring‑Projekt 2026–2027

Echte Partizipation braucht Wissen, Erfahrung und Zugang zu Entscheidungsgremien. Mit dem Mentoring‑Projekt 2026–2027 stärkt Agile FINTA*-Personen mit Behinderungen in ihrer Rolle als Selbstvertreter*innen. Erfahrene Mentor*innen begleiten sie dabei, ihre Kompetenzen auszubauen, ihre Stimme zu stärken und politische und gesellschaftliche Prozesse aktiv mitzugestalten.

Jetzt engagieren: Echte Mitbestimmung möglich machen

Echte Partizipation entsteht nicht von selbst. Mit Ihrer Spende stärken wir die Mitbestimmung von Menschen mit Behinderungen – verbindlich, wirksam und von Anfang an. Jetzt Engagement möglich machen.

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