Ich bin Damian

Es kommt vor, dass die Menschen im Zug den Platz wechseln, wenn ich mich zu ihnen setze. Vermutlich hatten sie noch nie Kontakt mit einem Menschen wie mir. Vorurteile können starke Emotionen auslösen. Dann gibt es die Neugierigen, die mich allerhand Persönliches fragen, was einer Person ohne Behinderung wohl kaum passieren würde. Meist stört mich das nicht gross. Ich denke dann, wie wichtig es für mich und andere ausgegrenzte Gruppen ist, sichtbar zu sein.

Schlimmer ist der institutionelle Ableismus. Das fängt in der Schule oder noch früher an. Menschen mit Behinderungen werden in segregative Einrichtungen gezwungen. Auch meine IV-Stelle will, dass ich in einer Institution lebe. Für die Institution bin ich viel Geld wert. Separate but equal (engl. für «getrennt aber gleich») ist fest im paternalistischen Umgang mit Menschen mit Behinderungen verankert. Ein Leben in der Institution ist aber nicht gleich wie ein Leben in der Gesellschaft.

Für mich ist der institutionelle Ableismus am schlimmsten. Menschen mit Behinderungen sollen ihr Leben in der Segregation fristen.

Ableismus bei der IV

Für mich betreibt die IV professionellen Ableismus zum Nachteil der Versicherten. Ich habe lange am Hora Theater gespielt, bin ausgebildeter Assistenzlehrer und habe eine Weiterbildung an der Accademia Dimitri gemacht. Seit bald vier Jahren kämpfe ich für einen Assistenzbeitrag.

Für die IV sind aber alle meine Tätigkeiten nur Freizeitbeschäftigungen. Für sie kann ich gar nicht arbeiten, sondern mich nur beschäftigen. Da wird ein Studium an einer Hochschule zum Hobby. Was ich infolge Verlangsamung nicht so gut kann, wird mir im Abklärungsprotokoll als Bequemlichkeit ausgelegt. Wo ich sage, ich benötige Hilfe, steht nachher «benötigt keine Hilfe».

Hoffe auf politischen Wandel

Eine Welle des Misstrauens schlägt mir von den Mitarbeitenden der Behörde entgegen. Jede Begegnung, jeder Brief verunglimpft mich als Lügner, als wertlosen Menschen. Ich kann mich leider nicht dagegen wehren und nur auf eine andere IV-Politik hoffen. Ich fühle mich machtlos.

Die abschätzige Haltung zeigt sich in der IV-Kampagne «Behinderte liegen uns nur auf der Tasche» aus dem Jahr 2009. Seither weht ein rauer Wind in der Schweiz und politische Parteien haben diese Argumentation übernommen. Meine IV-Stelle vertritt bis heute diese Haltung, wie dieses im Juli 2023 erschienene Jobinserat für eine Ärzt*in beweist:

«Sind Sie auch der Meinung, dass ungerechtfertigter Leistungsbezug zum Nachteil der Invalidenversicherung (IV) verhindert werden muss? Dann suchen wir Sie – eine/einen Ärzt*in zur Bekämpfung des Versicherungsmissbrauchs (BVM) in der Invalidenversicherung»

Letztes Jahr wurden Rechtsanwälte mit kriminalistischem Flair gesucht…

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